Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 Bester Preis: 0,00 EURinkl. 19% Mwst. / zzgl. Versand Kundenrezension: Lou Andreas-Salome, eine der interessantesten Persönlichkeiten der Jahrhundertwende: Sie kannte Nietzsche, Rilke und Freud, lebte in Paris, Göttingen und Wien und knüpfte Kontakte zu den Denkern, Schriftstellern und Individualisten ihrer Zeit. In diesem Buch findet man vier ihrer Aufsätze, die alle um 1900 herum in der "Neuen Deutschen Rundschau" veröffentlicht wurden. Gedanken über die Stellung der Frau in der Gesellschaft, über die Unterschiede zwischen Mann und Frau und über das notwendige neue Verständnis der Frau als Gesellschaftsmitglied und Mensch. Lou Salome empfindet den Mann als "Sprinter im Leben". Er könne, im Gegensatz zur Frau, all seine Lebensenergie in ein Projekt ausserhalb seiner Selbst investieren; die Frau jedoch betrachte das Leben ganzheitlicher, sei im Vergleich zum Mann also vielmehr ein Baum, der nach Tiefe strebe, statt nach Weite. Aber nicht nur über die Unterschiede zwischen Mann ud Frau geht es Lou - auch um deren Interaktion. Erotik - das Mittel, am anderen zu sich selbst zu finden. Den anderen als Selbstzweck zu verstehen, nicht als Mittelpunkt. Erotik als Bild-Machen vom andern, nicht als Erkenntnissuche. "Lieben heißt Erschaffen." Und auch: "Lieben heißt Heimkommen im anderen." Die durch die Erotik hervorgerufene Produktivität sei dabei stets Ziel des Liebeskampfes. Viele von Lous Gedanken scheinen uns heute fremd, so, wenn sie die Rundheit der weiblichen Eizelle als Ankergrund für das der Frau zugrunde liegende abgerundete ganzheitliche Verstehen-Wollen der Welt heranzieht. An wieder anderen Stellen aber spüren wir Lou Salomes zeitlose tiefe Einsicht in die Psyche der Frau und in zwischenmenschliche Beziehungen, wenn sie beispielsweise schreibt: "Lieben heißt: von jemandem wissen, dessen Farbe die Dinge annehmen müssen, wenn sie bis zu uns gelangen wollen, so dass sie aufhören, fremd und kalt und leer zu sein." Von der Gefahr, sich dem anderen anpassen zu wollen schreibt sie. Von der Idee, "dass Zwei nur dann Eins sind, wenn sie Zwei bleiben.". Mich hat das Buch an vielen Punkten sehr berührt und vermittelt, meiner Meinung nach noch heute viele Ideen, was Weiblichkeit bedeuten darf, und warum eine Frau anders und doch dem Mann gleichwertig sein kann. Ein Buch, das man vielleicht nicht von vorne bis hinten durchlesen muss, in dem man manches dem Historisch-Vergänglichen zuschreiben darf, das aber neben dem, dass es ein interessantes historisches Dokument der emanzipatorischen Bewegung ist, auch ein wunderschön-nachdenkliches und dichtes Werk darstellt. Meiner Meinung nach liegt hier also ein aus vielen verschiedenen Gründen lesenswertes Buch vor, und als solches möchte ich es gerne empfehlen. |