Sachbuch Produktdetails

Jetzt bei Amazon für 24,87 EUR bestellen!

Der Musik-Instinkt: Die Wissenschaft einer menschlichen Leidenschaft (Sachbuch (Spektrum Hardcover))

Der Musik-Instinkt: Die Wissenschaft einer menschlichen Leidenschaft (Sachbuch (Spektrum Hardcover))

 

     

    Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0

     

    Bester Preis: 24,87 EUR

    inkl. 19% Mwst. / zzgl. Versand

     

    Kundenrezension:
    GESCHENKT

    Mir wurde dieses Buch gleich zweimal geschenkt. Weil es so bekannt war? Weil die Schenkenden wussten, dass ich als Laie und Amateur mit Musik herum experimentiere? Weil ich mich auch mit den Fähigkeiten der menschlichen Erkenntnis beruflich beschäftige?
    Sei es wie es sei; ich habe angefangen, dieses Buch zu lesen und habe es in einem Rutsch bis zu Ende gelesen. Ich fand es sehr anregend, teilweise spannend; bin mir aber nicht sicher, was ich letztendlich wirklich durch das Buch gelernt habe. Es durchwandert so viele Aspekte der Musik in meist plauderndem Ton, dass man am Ende nicht so richtig weiß, was ist wirklich 'harte Theorie' und was sind nur 'launige Anekdoten'.

    WHO IS WHO

    Streckenweise liest sich das Buch wie ein 'Who is Who' des amerikanischen Musik- und Forschungslebens. Allenthalben tauchen Namen von Personen auf, Musiker, Wissenschaftler, als bloße Nennung, dann mehr ausführlich, oft sehr persönlich. Schüler, Freunde, universitäre Tutoren und Doktorväter, Kollegen und Kolleginnen. Soll man wissen, welch toller Kerl der Autor war/ist, sollen Argumente durch große Namen gestützt werden? So wird beispielsweise ein Gespräch mit dem Nobelpreisträger Francis Crick geradezu dramaturgisch vorbereitet und beschrieben. Dieser stark anekdotenhafte Charakter macht es manchmal schwer, den eigentlichen gedanklichen Linien und Argumenten zu folgen. Sie verteilen sich über viele Seiten und man fragt sich, ob eine Reduktion des Buches auf die Hälfte letztlich der Klarheit des zu Sagenden nicht dienlicher gewesen wäre.


    KOGNITIONSWISSENSCHAFT

    In der Einleitung erfährt man etwas über den Werdegang des Autors, über seinen Weg mit und in die Musik, über seine aufbrechenden Fragen, seine Wiedergeburt als Wissenschaftler zwischen Psychologie und Neurologie, um aus der Sicht der kognitiven Neurowissenschaft das wunderbare vielschichtige komplexe Phänomen der Musik wissenschaftlich analysieren zu können, das er zuvor in vielen Jahrzehnten als Musiker und Tontechniken konkret und intensiv erlebt und gestaltet hatte. Diese Konstellation alleine ist schon so interessant, dass man dieses Buch auf jeden Fall lesen sollte; wann begegnet einem sonst schon einmal solch eine spannende Mischung (obwohl, es gibt auch andere Wissenschaftler der Musik, die zugleich auch große Musiker und Komponisten waren und sind).

    Die methodischen Aspekte einer kognitiven Neurowissenschaft werden nicht sehr ausführlich behandelt. Immerhin erfährt man, dass der Autor mehr an den 'Funktionen' des Gehirns interessiert ist als an der neuronalen Maschinerie selbst. Die grundlegende methodische Problematik des Wechselspiels zwischen subjektivem Erleben, beobachtbarem Verhalten und zugrunde liegender neuronalen Maschinerie wird aber eher nur am Rande behandelt.


    WAHRNEHMUNG, GEDÄCHTNIS, EMOTIONEN, LINGUISTIK

    Nach und nach werden die wichtigsten Gebiete der Kognition durchstreift (Wahrnehmung, Gedächtnis, Emotionen, Sprache, Lernen usw.), die aus anderen Publikationen eigentlich hinlänglich bekannt sind; hier werden sie aber nochmals speziell aus der Sicht der Musikrezeption und -produktion diskutiert. Dies lässt viele bekannten Sachverhalte in der Tat in neuem Licht erscheinen. Gerade für die moderne Spracherkennung, die seit Jahren den Eindruck erweckt, in einer 'theoretischen Sackgasse' zu stecken, könnten sich hier zahlreiche interessante Hinweise ergeben, wie man die methodische Herangehensweise angeregt durch das Beispiel der Musikwahrnehmung vielleicht mal ändern sollte.


    KÜNSTLICHE NEURONALE NETZE

    Obwohl künstliche neuronale Netze für die theoretische Modellierung von Gehirnstrukturen heute eine zentrale Rolle spielen, erfährt man über diese theoretischen Hilfsmittel direkt so gut wie gar nichts (von John Hopfield, dem Erfinder eines bekannten Typs von neuronalem Netz (es gibt mittlerweile mehr als hundert Typen), erfährt man etwas, weil der Autor ihn persönlich getroffen hat...). Dies ist möglicherweise eine Schwachstelle des Buches, sofern der Autor einen theoretischen Anspruch erhebt. Aber vielleicht will der Autor nicht so weit gehen.


    MUSIK-BEISPIELE

    Entsprechend dem großen Erfahrungsspektrum des Autors finden sich --über das ganze Buch verteilt-- immer wieder viele konkrete Beispiele von Musikstücken, um unterschiedlichste Aspekte der Musik zu illustrieren. Hilfreich dazu ist auch eine Liste von 356 Hörbeispielen, die man aus dem Internet herunterladen kann, um das Gesagte konkret hören zu können. Demgegenüber findet man im gesamten Buch (ausgenommen auf S.15) keine einzige Note. Bei einem Buch über Musik vielleicht verwunderlich, aber dann doch verständlich und konsequent, da das musikalische Vermögen primär eine 'eingebaute' Fähigkeit des 'Wahrnehmens' und 'Agierens' ist und erst in zweiter Linie eine symbolische Verhaltensform, die sich mit Notenschriften behilft.


    EVOLUTION UND INDIVIDUELLE ENTWICKLUNG

    Vielleicht könnte es manchem Leser helfen, mit den beiden letzten Kapiteln zuerst zu beginnen: Einmal im Kapitel über den 'Musikinstinkt' die Aufweise, dass die Fähigkeit Musik wahrzunehmen und zu machen anscheinend seit mehr als 50.000 Jahren im Leben der Menschen eine soziale Rolle spielt und möglicherweise der Ausbildung der Sprachfähigkeit noch vorausgegangen ist. Und im vorletzten Kapitel mit dem --leicht irreführenden-- Titel 'Meine Lieblingslieder, die entwicklungspsychologischen Aufweise, wie Kinder schon ab der 20. Woche im Mutterleib Musik hören können und dann im weiteren Verlauf im Kontext der Gesamtentwicklung immer mehr musikalische Fähigkeiten ausbilden. Neben vielen Aspekten hier z.B. ein Abschnitt über die Ausbildung von internen 'Schemata'zur Wahrnehmung und Repräsentation von Musik und die These von der 'Gefälligkeit' der Musik gemessen an der Passung zu diesen aufgebauten Schemata.


    GESAMTURTEIL

    Für ein 'wissenschaftliches Buch' ist das Buch sicher weitgehend zu salopp, zu wenig präzise, der Zusammenhang mit Quellen ist nicht klar. Als 'populäres' Buch streift es zu viele theoretisch recht komplexe Sachverhalte, die für einen Laien so sicher kaum abschließend beurteilt werden können. Dennoch eröffnet das Buch eine Gesamtschau auf das viel schillernde Phänomen Musik, baut so viele interessante Fakten und Aspekte vor dem Auge des Lesers auf, dass es auch wieder schade wäre, es nicht gelesen zu haben. Also, ich habe es gerne gelesen.

     

    Jetzt bei Amazon für 24,87 EUR bestellen!